Traditionsreiches Portugal

Eine Kreuzfahrt nach Portugal

10. Oktober 2011

(Gastautor) Wer Portugal nicht nur vom Land aus entdecken möchte, dem ist eine Kreuzfahrt entlang der Iberische Halbinsel zu empfehlen. Die Reise startet in Hamburg und steuert als erstes Ziel Antwerpen in Belgien an. In der Stadt, die vor allem für den Handel mit Diamanten und anderem Edelschmuck bekannt ist, verbringen die Passagiere zwei Tage, bevor die Reise weiter nach Frankreich geht. Nach kurzen Besuchen in Honfleur und Hendaye, wird endlich das erwünschte Reiseziel Portugal erreicht. Die Passagiere haben mit den Zwischenhalten bereits 9 Nächte auf dem Kreuzfahrtschiff verbracht.

Damit den Passagieren während dieser Zeit nicht langweilig wird, gibt es an Bord ein umfassendes Unterhaltungsprogramm. In dem schiffseigenen Theater treten den ganzen Tag verschiedene Künstler auf. Das Programm ist mit Musikern, Theaterstücken und Vorträgen gespickt, so dass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Natürlich gibt es, wie heute üblich, auch ein umfassendes Wellness- und Sportangebot. Gut erholt und unterhalten treten die Passagiere dann den Besuch in der portugiesischen Stadt Stadt Viana do Castelo an.

Die kleine Stadt, die ganz im Norden des Landes liegt, hat eine Vielzahl an Sehenswürdigkeiten für die Passagiere zu bieten. Auf dem Platz Praça da República befindet sich beispielsweise der dreischalige Renaissancebrunnen, der bereits von vielen anderen Städten kopiert wurde. Der Brunnen war früher eine wichtige Wasserquelle und stellte gleichzeitig den Treffpunkt für die ganze Stadt da. Noch heute kommen an diesem Platz häufig Einheimische zusammen, um gemeinsam zu feiern und sich einander auszutauschen. Des Weiteren können die Besucher eine von mehreren Schiffswerften im Hafen besuchen. Häufig werden Touren angeboten, bei denen vom kleinen Segelboot, bis hin zu großen Containerschiffen, alles gesehen werden kann.

Nach dem Abstecher in Viana do Castelo tritt das Schiff die Reise zum Zielhafen Lissabon an. Hier liegt das Schiff noch einen weiteren Tag im Hafen, so dass die Passagiere noch einen Tag länger in der schönen Hauptstadt verbringen können. Sicherlich lohnt sich von hier aus auch ein Ausflug in die Region Algarve. Die berühmte Touristendestination lädt mit langen Sandstränden und gutem Wetter dazu ein, noch einige Tage hier zu verbringen. Auf Grund der geografischen Lage gibt es an der Algarve die meisten Sonnentage in ganz Europa. Also optimal, um eine Kreuzfahrt ausklingen zu lassen.

Lagos: Vom Köpfen, Ausweiden und modernen Ferienanlagen

6. November 2010

Wer seinen Urlaub in einer unserer Ferienunterkünfte in Lagos verbringt, möchte sicherlich mehr über diese geschichtsträchtige Hafenstadt wissen – zum Beispiel über ihre Vergangenheit in der fischverarbeitenden Industrie.

Die erste moderne Fischkonservenfabrik in Lagos nahm ihre Produktion 1882 auf, die Eigner waren französisch (Établissements F. Delory), die Mutterfabrik befand sich in Lorient in der Bretagne, weitere Produktionsstätten in Portugal waren Setúbal und Olhão.

Fischfabriken hatte es allerdings schon in der Antike gegeben. Nur waren da die Blechkonserven noch nicht erfunden, weshalb man sich auf die Produktion von Garum beschränken musste, ein fermentierter Fischsud, der im Römischen Imperium in etwa den Stellenwert hatte wie der Ketchup in der Moderne für uns. Der Transport des Garums geschah in Tonamphoren, und da es ja glücklicherweise bereits vergoren war, konnte es darin während der langen Galeerenüberfahrten in die zentralen Abnahmestellen des Römischen Imperiums nicht noch weiter ‚verderben‘. Trotzdem aber war man froh, als man schließlich auf die Idee kam, eingesalzenen Fisch in Holzfässern zu transportieren – das sorgte immerhin für eine kulinarische Abwechslung.

Beim Ausweiden und Köpfen...

Arbeiterinnen beim Ausweiden und Köpfen

Als Mitte des 19. Jahrhunderts endlich die Blechdosen erfunden wurden und die Möglichkeit, diese luftdicht zu verschweißen, öffnete das einem neuen Industriezweig die Türen. In Öl eingelegte Sardinen, Thunfischlein, Makrelen etc…, die sich in ihrer Lake jahrelang essbar hielten und bereits portionsweise verpackt, also tischfertig ausgeliefert werden konnten!

Sobald eine neue Großladung Fisch hereinkam heulten über der Stadt die Sirenen auf – und dann ließen die Frauen alles stehen und liegen und rannte los. Wer zuerst da war, wurde für den Tag zur Arbeit ausgewählt: man saß in langen Reihen vor blanken Tischen und köpfte, weidete aus, legte in Salz ein, frittierte in Öl, trocknete und füllte in Dosen, die von Hand verschweißt wurden – die bestbezahltesten Tätigkeiten bei der ganzen Prozedur. Dann wurde sterilisiert in riesigen Kesseln auf Holzkohlefeuern, die Büchsen anschließend nochmal kontrolliert und entweder gleich ausgeliefert oder zwischengelagert.

An der Stelle des heutigen Mercado Municipal an der Avenida befand sich eine der größten Fischkonservenfabriken der Stadt – insgesamt waren es 1908 in Lagos zehn, in Portimão drei, eine in Albufeira, zwei in Faro, in Olhão sieben und in Vila Real de São Antonio an der spanischen Grenze sechs. Bis Mitte der 1970er Jahre hielt das Geschäft an – dann war’s vor der Küste mit der Fischerei im großen Stil vorbei, bzw. konnte man mit der internationalen Großfischerei nicht mehr mithalten.

Macht nix – meint die Redaktion von ‚5 Sentidos‘, dem Kulturprogrammheft der Stadt Lagos, deren Artikel ich hier zusammengefasst habe, denn dann kam der ‚turismo‘. Und ein ganzer Industriezweig wich Golfplätzen, Hotels, Vergnügungsparks und Ferienanlagen.

Algarve: Abnehmen mit Kuchen

2. November 2010

Affenbrotbaum an der Algarve

Affenbrotbaum an der Algarve

Was wir oben im Bild sehen ist ein Affenbrotbaum, der viele Namen hat. Bei den Portugiesen heißt er ‚Alfarroba‘, aber im Wörterbuch wird er auch unter ‚baobabe‘ aufgeführt – ganz ähnlich wie bei den Afrikanern, die ihn den Baum des Lebens oder ‚Baobab‘ nennen; und es geht die Legende, dass er der schönste Baum von allen sein wollte, und sich später ob dieser Hoffart derart schämte, dass er den Kopf in den Sand steckte, so dass seine Wurzeln nunmehr aus der Erde in den Himmel ragten. Wenn Sie die Algarve buchen, können Sie sich davon überzeugen: noch immer sieht es so aus, als ob er verkehrt herum in der Landschaft stehe.

Die hörnchenförmigen zwischen 10 und 30 cm langen, nahezu schwarzen Früchte werden seit der Antike auf die gleiche Art und Weise geerntet: per Stock von Hand, wobei der geübte Schläger darauf achten muss, die neuen Knospen nicht zu zerstören. Das kann keine Maschine – vielleicht aber eines Tages ein menschenartiger Roboter, der aussieht wie ein Algarvio mit Wollpullover, festem Schuhwerk, Eimerchen und Sonnenhut.

Die Schoten – zerkleinert, geröstet und zermalen, ergeben ein braunes Pulver, das dem Kakao geschmacklich ähnlich ist, jedoch nicht dessen Fett-, Zucker-, Kalorien- und Koffeingehalt hat, weshalb man Süßes auf Karobenbasis auch relativ unbedenklich in sich hineinstopfen kann – und dabei noch ein gutes Gewissen haben darf, weil es blutdruck- und cholesterinsenkend und je nach Zubereitung noch gewichtsreduzierend ist.

Blutdrucksenkend!

Blutdrucksenkend!

Cholesterinfreundliche Muffins

Cholesterinabschreckend!

Cholesterinfreundlich!

Hüftgoldvermeidend!

Man kann aus den Schoten außerdem Saft pressen, der wird dann ‚Kaftan‘ genannt, doch den habe ich hier in der Gegend noch nie gesehen. Alkohol geht auch, den kenn ich aber ebenfalls nicht – experimentierfreudige LeserInnen können das aber gerne ausprobieren und mich später von dem Ergebnis kosten lassen. Meine Kontaktdaten finden Sie hier.

Und nochwas habe ich bei der Recherche zu diesem Artikel gelernt: in der Antike dienten die kleinen, extrem harten, runden Samen der Carobenhülsen wegen ihrer gleichmäßigen Größe als Wägeinheit für Diamanten und hießen da ‚Karat‘ von einem Lehnwort aus dem Französischen, das wiederum aus dem Italienischen entstammte, das wiederum im arabischen fußte, das auf das Griechische Wort für ‚Hörnchen‘ zurückführte: keráton.

Ornithologen- und Vogelkundlerparadies Westalgarve

9. September 2010

Vila do Bispo liegt mitten im ‚Parque natural de Sudoest Alentejano e de Costa Vicentina‘. Das ist mit 70.000 Hektar (1 Hektar = 10 Quadratkilometer) das größte Naturschutzgebiet Portugals und gleichzeitig die einzige Gegend weltweit, in der Störche in den Felsenklippen über dem Meer nisten. Das tun sie normalerweise eher auf hohen Gebäuden wie Fabrikschornsteine, Bäumen, Kirchtürmen oder Strommasten.

An der Algarve gibt es noch jede Menge Störche und manchmal, wenn man ahnungslos durch die Felder wandert, erhebt sich plötzlich vor einem einer dieser riesigen, rotbeinigen, breitschwingigen Vögel und fliegt flach davon. Dann hat man ihn garantiert beim Futtersammeln gestört oder einem kurzen Nickerchen fernab der rachenaufsperrenden Brut.

Das neue ‚Centro de Interpretação‘, von dem ich schon im letzten Artikel berichtete, unterrichtet den interessieren Besucher auch darüber: die vielfältige Tier- und Pflanzenwelt dieses einzigartigen, westlichsten Küstenabschnitts der Algarve, der touristisch noch nicht so zersiedelt ist wie beispielsweise der Osten, oder noch schlimmer, die spanische Küste. (Das ist auch einer der Gründe, warum in den letzten Jahren immer mehr Spanier ihren Jahresurlaub in Portugal verbringen, ihnen gefällt es an den eigenen Stränden nicht mehr.)

Also, Ornithologen oder solche, die es nach einem Besuch der West-Algarve professionell werden wollen, aufgehorcht! An Vogelarten können Sie hier beobachten: den Hasen, das Wildschwein, den Igel, den Fuchs, den Mungo, den Dachs … das sind, fällt mir gerade auf, keine Vögel, aber diese Säugetierarten leben hier auch.

Also, an Vögeln gibt es entlang der Algarve-Südwestküste: die Meise, den Kiebiz, alle möglichen Adlerarten, den Uhu, den weißen Klapperstorch, die Wachtel, den Raben, den Wanderfalken (auf Portugiesisch heißt er Pilgerfalke), die Schnepfe, den Reiher, die Stockente, den Turm- und den gemeinen Falken, das rote Rebhuhn, die Felsentaube, den Wiedehopf und die Misteldrossel. Und noch zwei Arten, die ich nicht übersetzen kann.

Unten sehen Sie einen Mungo, was die Abkürzung von Manguste (nicht L!) ist – einer ursprünglich aus dem indischen Raum entstammenden Raubtierart.

Mungo

Mungo (Foto: parquebiologico.pt)

Saca-rabos leben in der Macchie (aufmerksame Leser wissen seit meinem vorhergegangenem Artikel, was das ist), haben einen wie breit getreten aussehenden Schwanz und sind sehr menschenscheu. Ab und an brechen sie plötzlich aus dem Dickicht am Wegesrand – und dann müssen Sie für ein Erinnerungsfoto rasch reagieren. Am besten bestechen Sie dieses halbmetergroße (incl. Schwanz) Tier mit einer kleinen Mahlzeit. Halten Sie ihm eine Schüssel Wirbellose hin, Mungos stehen auf sowas – und drücken Sie dann blitzschnell ab.

Das Leben des Volkes in Vila do Bispo

6. September 2010

Vila do Bispo hat jetzt endlich ein Volksmuseum: zwei große Räume, gerade fertiggestellt. Im vorderen gibt es wechselnde Ausstellungen, die das Land- und Fischereileben der Region erläutern, im hinteren einige Stuhlreihen mit Monitor und Informationstafeln über Flora und Fauna und 8 Kästen, in dessen Inneren man Erde und Meer taktisch bzw. olfaktorisch erfahren kann.

Das Meer zum Beispiel wartet mit Muscheln auf. Man faßt durch ein armgroßes Loch und muss aufpassen, dass man sich an den spitzen Muschelrändern nicht schneidet – war ja auch eigentlich blöd, weiches Wasser zu erwarten – aber irgendwie lässt die darüberhängende Fotografie darauf schließen.
Der Strand: Sand und Steine.
Ein Feld: Weizen-Kichererbsen-Haferkern-Mix
Der Wald: Pinienzapfen

Zu riechen gibt’s dann Eukalyptus,- Pinien-, Zistrosen- und Rosmarinduft. Und das ist nicht übertrieben. Diese Düfte umgeben den hurtigen Mata-Wanderer auf Schritt und Tritt. ‚Mata‘ wird oft übersetzt mit ‚Wald‘, das ist aber nicht ganz richtig. Der korrekte deutsche Begriff dafür ist Macchie – der mir allerdings vorher auch nicht bekannt war. Jedenfalls bezeichnet er die immergrünen Niedriggehölzflächen der südeuropäischen Küsten(hinterland)regionen – weite, teils undurchdringliche Dickichtgebiete, bewachsen mit Zystrosenbüschen, Brombeersträuchern und Pinienbäumen. So ist die ‚Mata Nacional‘, deren Ausläufer bei Barão de São João die Zivilisation berühren eben kein Wald, wie wir ihn aus Deutschland kennen, sondern  über weite Teile (dorniges) Dornröschengebüsch.

Doch ich schweife ab: Das neue Volksmuseum in Vila do Bispo zeigt in seinem Ausstellungsraum wie man in der Region früher lebte („früher“ ist allerdings noch gar nicht so lange her, noch in den 90-gern konnte man von der Feldarbeit heimkehrende Familien auf ihren Eseln reiten sehen und Korbflechter vor ihren Haustüren sitzend ihrem Handwerk nachgehen). Aber es gibt zum Beispiel auch eine Fotografie vom Fischverkauf im Hafen von Sagres. Da sind die glänzenden Fischleiber alle fein säuberlich im Sand aufgereiht – und die Hausfrauen stapften da zwischendurch und befühlten und begutachteten und verhandelten und kauften.

Das Museum heißt übrigens nicht ‚museu de povo‘, sonden schlicht ‚Centro de interpretação‘ – und ich bin nur reingegangen, weil ich wissen wollte, was sie dort interpretieren. Also: es wird dort etwas ‚dargestellt‘, bzw. ‚ausgewertet‘: das Leben in Vila do Bispo, wie es früher war und wie es dazu kam, dass es heute so ist wie es ist – allerdings steht das nicht dran.

Und so findet man es: von Lagos kommend die erste Einfahrt nach Vila do Bispo nehmen, und dann auf der linken Seite; Öffnungszeiten sind Mo bis Fr 10.00 – 16.30 Uhr.

« Vorherige Einträge - Nächste Einträge »